
Willich-Anrath: Petition gegen höhere Schlachtungsgebühren
Der Stautenhof in Willich-Anrath hat jetzt eine Petition gegen höhere Gebühren bei Schlachtungen ins Leben gerufen.
Veröffentlicht: Dienstag, 25.06.2024 10:52
Der Stautenhof reagiert mit der Petition auf den Beschluss des Kreistags, die Gebühren für die Fleischbeschau anzuheben. Demnach müssen vor allem kleine Betriebe in Zukunft mehr für den Amtstierarzt zahlen, der Tiere vor und nach der Schlachtung begutachtet. Der Stautenhof in Anrath spricht von bis zu 60 Prozent mehr Kosten, die in Zukunft anfallen. Das sei etwa das Achtfache der Gebühren, die ein großer Schlachthof für die gleiche Anzahl von Schlachtungen zahlen müsste. Aus dem Kreis Viersen heißt es, man habe die Gebühren nach den europarechtlichen Vorgaben angepasst - und dabei zum Beispiel die sinkenden Schlachtzahlen und die gestiegene Inflation berücksichtigt. Die Einnahmen hätten nicht mehr ausgereicht, um die laufenden Kosten zu decken, so die Kreisverwaltung auf Anfrage von Welle Niederrhein. Die neuen Gebühren sollen am dem 1. Juli gelten.
Kritik vom Stautenhof
Wer bei uns Tiere schlachten möchte, macht das unter Aufsicht eines Amtstierarztes. Der rückt an, um vor der Schlachtung die Tiere und anschließend die Qualität des Fleischs zu beurteilen. Und genau das wird für kleine Betriebe - wie den von Christoph Leiders - zu einem riesigen Kostenpunkt. Demnach gab es schon immer ein Ungleichgewicht zwischen kleinen und großen Betrieben - jetzt sollen die Kosten aber nochmal angezogen werden. Durch die Neuberechnung der Gebühren bezahlen die kleinen Betriebe demnach in Zukunft noch mal mehr und zwar das achtfache, was ein großer Betrieb für eine Schlachtung zahlen müsste.
Auf dem Stautenhof werden jede Woche so um die 15 Tiere geschlachtet - verglichen mit den großen Schlachthöfen nicht besonders viele, für die der Amtsarzt da extra rausfahren muss. Der Familienbetrieb findet es aber nicht fair, jetzt bis zu 60 Prozent mehr zahlen zu müssen. Das mache es einfach unmöglich, wirtschaftlich zu arbeiten. Ganz zu schweigen davon, dass das die Massentierhaltung eher begünstigt. Der Stautenhof kritisiert, dass wir eigentlich weg von der Massentierhaltung wollen - das sei durch die erhöhten Kosten aber immer unrealistischer. Hier hat man das Gefühl, dass überhaupt kein Wert darauf gelegt wird, wie mit den Tieren umgegangen wird. Sowohl vor als auch während der Schlachtung. Der Kreis begründet das damit, dass der Aufwand bei den wenigen Schlachtungen, in kleinen Betrieben einfach höher sein.
Stellungnahme vom Kreis Viersen
Auf Welle Niederrhein-Anfrage hieß es, man habe die Gebühren eben angepasst - unter anderem wegen der gesunkenen Schlachtzahlen im Kreis und der gestiegenen Inflation. Die Einnahmen haben demnach nicht mehr ausgereicht, um die laufenden Kosten zu decken. Unter Berücksichtigung der entsprechenden EU-Verordnung hat der Kreistag dann die neue Gebührenordnung beschlossen. Was das Tierwohl angeht, heißt es: Man könne nicht pauschal sagen, dass es den Schweinen und Rindern in kleinen Betrieben besser gehe als in den größeren. Und NOCH gibt es da auch vom Land keine Ausnahmeregelung, die kleine Betriebe entlastet.
Wie läuft es in anderen Kreisen in NRW ab?
Zum Beispiel in den Kreisen Heinsberg und Mettmann kommen die Kreise den kleinen Betrieben mehr entgegen. Im Kreis Heinsberg übernimmt man einfach die Pflichtgebühren der EU - was auch möglich ist. In dem Fall war das für die kleinen Schlachtbetriebe deutlich günstiger. Die Politiker hatten dabei nicht nur die Existenz der handwerklichen Betriebe, sondern auch das Tierwohl im Blick. Vor allem lange Transportwege wollte man vermeiden.
Doch das auch im Kreis Viersen umzusetzen, ist nicht ganz so einfach. Denn: Nicht immer ist der Weg der EU-Pflichtgebühren der günstigste für alle. Da kommt es auch drauf an, wie viele Betriebe es beispielsweise im Kreis gibt und ob das wirtschaftlich zu vertreten ist. Aus der Politik heißt es zum Beispiel: Im Kreis Viersen werde deutlich mehr geschlachtet als im Nachbarkreis Heinsberg. Und wenn man es genauso machen würde wie dort, dann würde das den Kreishaushalt zu stark belasten. Der Stautenhof in Anrath hofft trotzdem, dass die Gebühren für die Fleischbeschau fairer verteilt werden.