
Trockenheit am Niederrhein
Vertrocknete Felder und Wiesen, Bäume, die die Blätter hängen lassen und Flüsse, die kaum noch Wasser führen. Die aktuelle Hitze und die Trockenheit machen sich auch am Niederrhein bemerkbar. Aber was bedeutet das für uns und unsere Heimat? Wir haben mit verschiedenen Experten über das Thema gesprochen,
Veröffentlicht: Donnerstag, 18.08.2022 10:46
Landwirte vor großen Herausforderungen
Temperaturen über 30 Grad und viel Sonne - für viele der perfekte Sommer. Für unsere Natur ist das allerdings eine Zumutung. Das Landesumweltministerium hat vier der fünf vergangenen Sommer als viel zu trocken eingestuft. Die anhaltende Trockenheit macht auch den Landwirten bei uns am Niederrhein zu schaffen. Einige greifen deshalb zur Bewässerung ihrer Felder kurzzeitig auf Wassersprenger zurück, hat uns der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Paul-Christian Küskens erzählt. Über einen längeren Zeitraum sei das aber für viele Landwirte viel zu teuer, da auch hier die Kosten in der letzten Zeit enorm angestiegen sind. Letztendlich hilft nur eins: Regen.
Wenn der Mais so aussieht, dann ist Ende. Der braucht jetzt ganz dringend viel Regen, sonst können wir den nur noch häckseln. (Paul Küskens, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Krefeld-Viersen)
Wenn nicht genug Regen fällt, müssen die Landwirte in Krefeld und im Kreis Viersen in Zukunft umdenken und zum Beispiel andere Sorten anbauen, die mit der Trockenheit besser zurechtkommen. Alleine lässt sich dieser Umschwung in der Landwirtschaft aber kaum bewältigen, sagt Küskens. Er fordert daher stellvertretend für die Kreisbauernschaft Krefeld-Viersen staatliche Hilfen, um gegen Ernteausfälle, Unwetter und Trockenheit versichert zu sein.
Flüsse führen immer weniger Wasser
Der Kreis Viersen ist auch bekannt für seine vielen Seen und Flüsse. Hier bei uns fließen unter anderem die Schwalm, die Nette oder auch die Niers - und die trocknen immer mehr aus. Das sieht man aktuell vor allem auch an der Nette, ab Wachtendonk fließt hier kaum noch Wasser und auch kleinere Nebenflüsse trocknen immer weiter aus, weil die Grundwasserstände durch die anhaltende Trockenheit der letzten Jahre immer weiter abgesunken sind, berichtet der Netteverband.
Etwas anders ist die Lage bei der Niers. Aufgrund des Tagebaus Garzweiler hat der Fluss schon länger keine natürlichen Quellen mehr, daher wird das Wasser aus künstlichen Wasserquellen zugeführt, auch wenn es sehr trocken ist. Das berichtet der Niersverband. Daher kann bis Viersen konstant Wasser fließen. Weiter flussabwärts sind die Wasserstände aber schon fast so niedrig wie noch nie.
Aufgrund der Trockenheit hat der Kreis Viersen jetzt ein Verbot erlassen. Ab sofort darf kein Wasser mehr aus Flüssen oder Seen entnommen werden - bei einem Verstoß droht ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro. Das Verbot gilt zunächst bis Ende Oktober.
Lebensräume für Tiere schrumpfen
Der Wassermangel hat auch gravierende Folgen für die Tierwelt. Denn durch das niedrige Wasser verschwindet Ihr Lebensraum. Das betrifft aber nicht nur Fische und Frösche, sondern auch kleine Mikroroganismen. Und diese sind besonders wichtig für die Wasserqualität.
Regen - bitte jetzt, aber langsam
Was sich sowohl Landwirte und Biologen also am dringensten wünschen? Regen! Und davon eine ganze Menge. Plötzliche Regenmassen, die vom Himmel runterstürzen, sind allerdings keine große Hilfe - eher im Gegenteil. Der ausgetrocknete Boden kann so große Wassermengen gar nicht richtig aufnehmen. Daher sind regelmäßige Regenschauer deutlich besser für die Natur, sagt auch Ansgar Reichmann von der biologischen Station Kriekenbecker Seen in Nettetal.
Wassermangel bei der Feuerwehr
Wenn es brennt, dann muss es schnell gehen. Die aktuelle Trockenheit und die dabei erhöhte Gefahr von Waldbränden, macht das schnelle Handeln nicht einfacher für die Feuerwehren bei uns am Niederrhein. Dabei unterscheidet sich die Löschwasserversorgung im ländlichen Kreis Viersen, deutlich von der Versorgung in den Städten, erzählt Kreisbrandmeister Rainer Höckels:
Im ländlichen Bereich seien die Feuerwehren angewiesen auf offene Gewässer, also Seen, Flüsse, Löschwasserbrunnen und -teiche, sagt der Kreis Viersen. Und da macht die aktuelle Trockenheit schon eher Schwierigkeiten. Flüsse und Löschteiche können nämlich austrocknen oder sehr niedrige Wasserstände haben, weil der Grundwasserspiegel sinkt. Das ist auch mit ein Grund, wieso wir aus öffentlichen Gewässern nun kein Wasser mehr entnehmen dürfen.
Der Weg zum Wasser
Doch natürlich muss es für die Feuerwehr noch andere Wege geben, um an das nötige Wasser für die Einsätze zu gelangen. Die Stadt Krefeld denkt hier über einen Pendelverkehr aus Tanklöschfahrzeugen nach, um an die größtmögliche Wassermenge aus Seen, Brunnen oder ähnlichem zu kommen. Auch eine lange Schlauchleitung wäre denkbar. Der Kreis Viersen schlägt zudem die Zusammenarbeit mit den Landwirten vor, um eine Unterstützung in Form von Brunnen oder Gülle- und Wasserfässern zu erhalten. Doch auch hier ist fraglich, ob dadurch genug Wasser zusammenkommt, denn die Wasserversorgung gilt auch bei den Landwirten nicht unbedingt als gesichert.
Was wir tun können
Ein verantwortungsvoller Umgang mit unserem Wasser wird immer wichtiger. Daher sollten wir unseren Garten zum Beispiel möglichst in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden wässern, da tagsüber viel Wasser verdunstet. Und auch eine frische Poolfüllung sollte gut überlegt sein und nicht allzu häufig auf dem Plan stehen, dazu raten zum Beispiel die NEW.


