
Stadt Viersen erwartet Minus von fast 50 Millionen
Die Finanzlage der Stadt Viersen verschärft sich deutlich. Für 2026 erwartet die Stadt ein Minus von 49,7 Millionen Euro, für 2027 sogar 55,2 Millionen Euro.
Veröffentlicht:
Finanzlage in Viersen verschärft sich
Die Stadt Viersen rechnet in diesem Jahr mit einem deutlich höheren Defizit als bisher. Nach einer aktuellen Prognose liegt der Fehlbetrag 2026 bei rund 49,7 Millionen Euro. Für das Jahr 2027 erwartet die Stadt sogar ein Minus von etwa 55,2 Millionen Euro. Vorgestellt wurden die Zahlen in einer Sondersitzung des Arbeitskreises Haushaltskonsolidierung am 31. August 2026. Dort informierte Stadtkämmerin Birgit Wöltering die politischen Vertreterinnen und Vertreter über die Entwicklung. Nach Angaben der Stadt wird auch für die folgenden Jahre mit erheblichen Fehlbeträgen gerechnet.
Weniger Einnahmen und höhere Kosten
Als Gründe nennt die Stadt mehrere Belastungen im Haushalt. Besonders stark wirkt sich aus, dass die Gewerbesteuer-Prognose für 2026 im Vergleich zur Haushaltsplanung um 12 Millionen Euro nach unten korrigiert werden muss. Gleichzeitig steigen wichtige Ausgaben weiter an. Dazu zählen nach Angaben der Stadt höhere Personal- und Versorgungsaufwendungen, steigende Kosten bei den Hilfen zur Erziehung sowie eine höhere Kreisumlage. Die Stadt sieht darin eine schwierige Kombination aus sinkenden Einnahmen und Ausgaben, die sie kaum selbst steuern kann. Auch deshalb spricht die Verwaltung von einer deutlich verschärften Lage.
„Die aktuellen Zahlen zeigen sehr deutlich, dass wir es nicht mit einer kurzfristigen Verschlechterung zu tun haben. Wir müssen davon ausgehen, dass die Stadt auch in den kommenden Jahren erhebliche Defizite ausweisen wird. Deshalb müssen wir jetzt konsequent gegensteuern“, - Birgit Wöltering, Stadtkämmerin.
Haushaltssperre in Viersen gilt schon
Auf die angespannte Lage hatte die Stadt bereits im Frühjahr 2026 reagiert. Seitdem gilt in Viersen eine Haushaltssperre. Nach Angaben von Welle Niederrhein sollten damals rund sieben Millionen Euro eingespart werden. Fast alle Bereiche der Stadtverwaltung mussten ihren Etat um fünf Prozent reduzieren. Neue freiwillige Leistungen und größere Projekte müssen seitdem besonders begründet und genehmigt werden. Trotz dieser Maßnahmen reicht das nach aktueller Einschätzung nicht aus, um die Entwicklung aufzufangen.
Haushalt 2027 wird noch schwieriger
Nach der aktuellen Prognose wird ab dem 1. Januar 2027 ein Haushaltssicherungskonzept erforderlich. Hintergrund ist, dass das Eigenkapital der Stadt nach den neuen Berechnungen deutlich schneller sinkt als bislang angenommen. Nach Angaben der Stadt könnte das Eigenkapital bereits im Jahr 2029 aufgebraucht sein. Für 2030 wird rechnerisch sogar eine Überschuldung von rund 111 Millionen Euro erwartet. Nach Einschätzung der Verwaltung könnten ab 2027 außerdem die Regeln des Nothaushaltsrechts greifen, falls die rechtlichen Voraussetzungen für die Genehmigung des Haushaltssicherungskonzeptes nicht erfüllt werden. Dann wären vor allem freiwillige Leistungen, neue Stellen und weitere Ausgaben noch stärker eingeschränkt.
„Die Zahlen machen deutlich, wie ernst die Situation ist. Haushaltskonsolidierung ist unter diesen Voraussetzungen keine kurzfristige Aufgabe. Verwaltung und Politik werden sich intensiv damit auseinandersetzen müssen, welche Leistungen und Standards sich die Stadt künftig noch leisten kann und wo Veränderungen dringend notwendig sind“, - Birgit Wöltering, Stadtkämmerin.
Bund und Land sieht die Stadt mit in der Pflicht
Neben den lokalen Sparmaßnahmen verweist die Stadt auch auf die grundsätzliche Lage vieler Kommunen. Der Erste Beigeordnete Thomas Dückers erklärte, die Entwicklung der kommunalen Finanzen sei nicht nur in Viersen dramatisch. Wenn Bund und Land den Kommunen zusätzliche Aufgaben übertragen, müsse auch deren Finanzierung gesichert werden. Diese Einschätzung passt zu der Entwicklung am Niederrhein, auf die mehrere Kommunen bereits im Sommer 2026 gemeinsam aufmerksam gemacht hatten. Damals forderten Städte und Gemeinden aus der Region mehr Unterstützung von Bund und Ländern wegen ihrer angespannten Haushalte.