
Stadt Krefeld bildet neue Kinderschutz-Experten aus
Die Stadt Krefeld will den Kinderschutz ausbauen. Dafür soll ein Pool geschulter Fachkräfte für Beratung bei Verdachtsfällen entstehen.
Veröffentlicht: Montag, 27.04.2026 08:30
Stadt plant neuen InsoFa-Pool in Krefeld
Die Stadt Krefeld will den Kinderschutz weiter ausbauen und dafür einen sogenannten InsoFa-Pool aufbauen. „InsoFa“ steht für „Insofern erfahrene Fachkraft“. Gemeint sind besonders geschulte Fachkräfte, die bei Fragen rund um eine mögliche Kindeswohlgefährdung beraten können. Das Angebot richtet sich unter anderem an Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Psychologen, Lehrkräfte, Beratungsstellen und Sozialarbeitende. Sie sollen im Berufsalltag Unterstützung bekommen, wenn es Hinweise auf eine mögliche Gefährdung von Kindern oder Jugendlichen gibt.
Lehrgang startet im Mai
Für den Aufbau dieses Fachkräfte-Pools bietet die Stadt Krefeld einen Zertifizierungslehrgang an. Er beginnt am 21. Mai und richtet sich an Mitarbeitende aus der öffentlichen und freien Jugendhilfe sowie an weitere fachbezogene Personen mit passenden Voraussetzungen. Die Kosten für die Teilnahme übernimmt die Stadt. Bewerbungen sind noch bis zum 15. Mai möglich. Der Lehrgang umfasst neun ganztägige Seminare und läuft über einen Zeitraum von rund sechs Monaten.
Beratung soll Fachkräfte unterstützen
Nach Angaben der Stadt sollen die neuen Kinderschutz-Experten künftig als zentrale Ansprechpersonen für Beratungsfälle dienen. Sie unterstützen zum Beispiel bei Fallbesprechungen und bei der fachlichen Einschätzung eines möglichen Risikos. Die Stadt betont, dass der neue InsoFa-Pool die Handlungssicherheit von Fachkräften stärken soll. Das Angebot ist dabei als Ergänzung gedacht. Die gesetzlich festgeschriebene Beratung durch das Jugendamt wird dadurch nicht ersetzt.
„Der ‚InsoFa‘-Pool soll die Handlungssicherheit von Fachkräften in Krefeld weiter stärken, insbesondere im Vorfeld einer möglichen Meldung an das Jugendamt. Ziel ist es, die professionelle Beratungsstruktur im Kinderschutz nachhaltig auszubauen“ - Nathalie Reichelt, Koordinatorin des Krefelder Netzwerkes Kinderschutz.
In akuten Fällen bleiben Jugendamt und Polizei zuständig
Die Stadt weist ausdrücklich darauf hin, dass in akuten Fällen weiter sofort gehandelt werden muss. Bei konkreten Anzeichen einer Kindeswohlgefährdung müssen weiterhin Polizei und der städtische Fachbereich Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung eingeschaltet werden. Auch wenn eine InsoFa-Fachkraft beratend hinzugezogen wird, bleibt die Verantwortung für den jeweiligen Fall bei den ratsuchenden Personen oder Einrichtungen. Das neue Angebot soll also zusätzliche fachliche Hilfe bieten, aber keine bestehenden Zuständigkeiten verändern.
Voraussetzungen für die Teilnahme
Wer an dem Lehrgang teilnehmen möchte, muss mehrere Bedingungen erfüllen. Nach Angaben der Stadt gehören dazu die Zugehörigkeit zum Krefelder Netzwerk Kinderschutz, ein pädagogischer oder psychologischer Berufsabschluss und mindestens zwei Jahre einschlägige Berufserfahrung. Außerdem ist eine Kooperationsvereinbarung mit der Stadt nötig. Der geplante InsoFa-Pool ist an das Krefelder Netzwerk Kinderschutz angebunden. Dieses Netzwerk wurde vor rund eineinhalb Jahren gegründet und vernetzt nach Angaben der Stadt etwa 90 Akteure aus Jugendhilfe, Gesundheit, Schule, Polizei, Justiz und Sport. Hier bekommt ihr weitere Infos.