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Stefan Horngacher
© Daniel Karmann/dpa
Am Wochenende verabschiedet sich Stefan Horngacher als Bundestrainer. (Archivbild)
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Olympia-Gold und Tournee-Scheitern: Horngacher hört auf

Sieben Jahre prägt Stefan Horngacher das deutsche Skispringen als Bundestrainer. Am Wochenende verabschiedet er sich. Der 56-Jährige spricht über Zukunftspläne und einen Makel.

Veröffentlicht: Mittwoch, 25.03.2026 10:03

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Skispringen

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Planica (dpa) - Ob auf dem Rad oder in Wanderschuhen: Stefan Horngacher wird man im Schwarzwald bald häufiger treffen. Der Outdoor-Fan und Hobby-Pilzsammler hat demnächst mehr Zeit. An diesem Wochenende endet seine siebenjährige Ära als Chefcoach der deutschen Skispringer. «Das letzte Mal als Bundestrainer die Fahne zu schwingen, ist noch einmal eine große Ehre. Darauf freue ich mich sehr», sagt der 56-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.

Raimunds Olympiasieg als Höhepunkt der Saison

Horngacher, der mit seiner Familie in Titisee-Neustadt lebt, blickt auf einen komplizierten letzten Winter im Amt zurück. Bei der Vierschanzentournee und der Skiflug-WM in Oberstdorf musste seine Mannschaft Enttäuschungen verkraften. Auch im Weltcup hielten seine Springer mit den Allerbesten oft nicht mit. Olympia-Gold von Philipp Raimund im Einzel von der Normalschanze war der große Höhepunkt der Saison, die nun mit dem Skifliegen von Planica zu Ende geht.

Als «ein bisschen komisch» beschreibt Horngacher sein Gefühl vor der letzten Dienstreise nach Slowenien. Im Rückblick eine Rangliste besonderer Ereignisse, einzelner Medaillen bei Weltmeisterschaften oder Winterspielen zu erstellen, fällt ihm schwer.

«Der Olympiasieg vom Philipp Raimund ist für mich genauso wichtig wie die Bronzemedaille vom Karl Geiger damals in Peking oder Karls Titel bei der Skiflug-WM 2020», sagt er. «Das sind alles bleibende Momente, die herausragend waren.» Statt einzelner Erfolge hebt Horngacher die Zusammenarbeit mit dem Team hervor.

Mann klarer Worte, aber kein Lautsprecher

Der Österreicher hatte den Job 2019 von seinem Landsmann Werner Schuster übernommen. Horngacher trat introvertierter auf als sein beliebter Vorgänger. Seine ruhige, analytische und gleichzeitig offene Art kam aber ebenfalls gut an. Er äußerte auch mal öffentlich Kritik, wenn er nach einzelnen Springern gefragt wurde. Konflikten ging Horngacher nicht aus dem Weg.

Mit Olympiasieger Raimund gab es vor der vergangenen WM Streit. «Es hat wirklich gekracht vor der WM in Trondheim, danach hat man sich ausgesprochen», erklärte Raimund bei den Winterspielen in Italien. Das habe gutgetan.

Auf dem Weg zur Entwicklung des 25-Jährigen zum deutschen Vorzeigespringer war auch das ein Puzzleteil. Bei Horngacher wusste immer jeder, woran er bei ihm war. Nach Raimunds Sieg jubelte der Coach so ausgelassen wie selten.

Ein Makel bleibt

Bei einer großen Mission scheiterte aber auch der erfahrene Fachmann: Den Vierschanzentournee-Fluch besiegte auch Horngacher mit seinen Springern nicht. «Das war schon immer unser Hauptfokus. Das wird von allen erwartet», sagt er. «Leider konnten wir die Erwartungen nicht erfüllen.»

Seit dem Triumph von Sven Hannawald 2002 warten die Adler des Deutschen Skiverbandes (DSV) auf einen Sieg beim Traditionsevent rund um den Jahreswechsel. «Ich hoffe, dass es mein Nachfolger schafft», sagt Horngacher. «Das würde ich ihm echt wünschen.»

Wer seine Athleten in der kommenden Saison betreut, hat der DSV noch nicht bekanntgegeben. Spekulationen gibt es viele. In den kommenden Wochen soll eine Entscheidung verkündet werden.

Nachfolger muss richtige Mischung finden

Trotz der insgesamt sehr durchwachsenen Saison sieht Horngacher Deutschland in seiner Disziplin gut aufgestellt. «Das deutsche Team wird auch nächstes Jahr sehr stark sein. Davon bin ich überzeugt», sagt er.

Für den neuen Bundestrainer wird es darum gehen, die älteren Springer wie Andreas Wellinger (30), Geiger (33) oder Pius Paschke (35) wieder in Topform zu bringen. Zudem müssen junge Athleten nach und nach ins Team eingebaut und darauf vorbereitet werden, die Arrivierten irgendwann abzulösen. «Noch sind die jüngeren Sportler nicht in der Lage, ganz vorn mitzuspringen», sagte Horngacher.

Horngacher will seiner Sportart treu bleiben

Wie es für ihn selbst genau weitergeht, weiß er nach eigenen Angaben noch nicht. Eins ist jedoch klar: «Ich werde definitiv im Skispringen bleiben.» In welcher Rolle genau, da gebe es mehrere Möglichkeiten. Wichtig ist für ihn, häufiger zu Hause zu sein.

Weniger reisen, mehr Zeit für Unternehmungen mit seiner Frau an der frischen Luft und dazu ein erfüllender Job in der Sportart, für die er brennt. So stellt sich Horngacher seine Zukunft vor. Ein Problem wird der Mann, der im Skisprung-Zirkus auch als Rock-Fan und Gitarrist bekannt ist, aber wohl trotzdem nur bedingt lösen: «Leider habe ich zu viele Hobbys, die ich sehr gerne mache, aber zu wenig Zeit.»

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© dpa-infocom, dpa:260325-930-863595/1
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