
Nitratwerte im Grundwasser im Kreis Viersen zu hoch
Über 30 Prozent der Gartenbrunnen im Kreis Viersen überschreiten weiter den Nitrat-Grenzwert. Neue Zahlen des VSR-Gewässerschutz zeigen: Das Problem bleibt.
Veröffentlicht: Dienstag, 03.03.2026 13:26
Die Nitratbelastung in vielen Gartenbrunnen im Kreis Viersen ist weiterhin zu hoch. Das zeigen aktuelle Auswertungen des VSR-Gewässerschutz. Trotz der seit 1991 geltenden Nitratrichtlinie wird der Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter noch immer deutlich überschritten.
In den vergangenen vier Jahren lagen 30,3 Prozent der untersuchten Brunnen über diesem Grenzwert. Zwischen 1996 und 2000 waren es noch 57,8 Prozent. Damit ist zwar ein Rückgang erkennbar – doch aus Sicht der Gewässerschützer reicht das nicht aus. Besonders problematisch: Der Anteil der Brunnen mit extrem hohen Nitratwerten von über 100 Milligramm pro Liter sank im gesamten Untersuchungszeitraum lediglich auf 7,5 Prozent.
Grundlage der aktuellen Auswertung sind 2.480 Brunnenwasseranalysen aus dem Zeitraum von 1996 bis 2025. Das Labormobil des VSR war in verschiedenen Städten im Kreis unterwegs, zusätzlich wurden Wasserproben per Post eingesendet. Erstmals stellt die Organisation nun die langfristige Entwicklung der Nitratbelastung gebündelt dar.
Maßnahmen zeigen Wirkung – aber nicht überall
Nach Einschätzung des VSR zeigen Maßnahmen der Landwirtschaft durchaus Wirkung. Die Belastung des Grundwassers ist insgesamt gesunken – jedoch nicht in dem erhofften Umfang.
Vor allem in ausgewiesenen Wasserschutzgebieten haben viele Wasserversorger frühzeitig gehandelt. In Kooperation mit Landwirten wurde effizienter gedüngt und auf gewässerschonendere Anbausysteme gesetzt – oft über gesetzliche Vorgaben hinaus. Ziel war es, den Trinkwassergrenzwert von 50 Milligramm pro Liter dauerhaft einzuhalten und kostspielige Verfahren zur Nitratentfernung zu vermeiden.
Ein Großteil der belasteten Gartenbrunnen liegt jedoch außerhalb dieser Schutzgebiete. Dort fehlen häufig vergleichbare Kooperationen und zusätzliche Schutzmaßnahmen. Der VSR fordert deshalb, die Nitratbelastung auch außerhalb von Wasserschutzgebieten konsequent zu senken.
Folgen für Umwelt und Nordsee
Nitrat im Grundwasser betrifft nicht nur private Brunnenbesitzer. Gartenbesitzer sollen ihr Brunnenwasser ohne gesundheitliche Risiken zum Gießen, zur Teichbefüllung oder als Tränkwasser für Tiere nutzen können.
Zudem gelangt nitratbelastetes Grundwasser in Bäche und Flüsse. Diese transportieren die Nährstoffe bis in die Nordsee. Dort fördert die hohe Nährstofffracht starkes Algenwachstum. Das kann Sauerstoffmangel verursachen und Wasserlebewesen gefährden. Eine weitere Verringerung der Nitratbelastung gilt deshalb auch als wichtiger Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt.
Der VSR-Gewässerschutz kündigt an, auch in diesem Jahr wieder mit seinem Labormobil im Kreis Viersen unterwegs zu sein, um die Entwicklung weiter zu dokumentieren und Brunnenbesitzern Analysen zu ermöglichen.