
Niederrhein: Vier Jahre Ukrainekrieg
Vier Jahre nach Kriegsbeginn warnt action medeor aus Tönisvorst vor sinkender Solidarität. Projekte für die Ukraine sind nur noch bis Jahresende gesichert.
Veröffentlicht: Dienstag, 24.02.2026 04:51
Dienstag (24. Februar) jährt sich der russische Angriffskrieg auf die Ukraine zum vierten Mal. Vier Jahre nach Beginn des Krieges warnt das Medikamentenhilfswerk action medeor aus Tönisvorst vor einer nachlassenden Solidarität mit den Menschen in der Ukraine. Nach Angaben der Organisation reichen die Budgets für einige Hilfsprojekte voraussichtlich nur noch bis zum Jahresende. Deshalb ruft das Hilfswerk erneut zu Spenden auf.
Hilfsprojekte vor unsicherer Zukunft
Seit Kriegsbeginn unterstützt action medeor die medizinische Versorgung in der Ukraine mit Medikamenten und Hilfsgütern. Doch die Finanzierung wird zunehmend schwieriger. Sollten keine zusätzlichen Spenden eingehen, könnten wichtige Projekte nicht wie geplant fortgeführt werden. Gerade im Gesundheitsbereich bleibt der Bedarf weiterhin hoch, weil Krankenhäuser und Versorgungseinrichtungen stark belastet sind.
Härtester Winter seit Kriegsbeginn
Der aktuelle Winter in der Ukraine gilt als der härteste seit Beginn des russischen Angriffskrieges. Russland greift nach wie vor gezielt die Energieinfrastruktur an. Dadurch kommt es immer wieder zu Stromausfällen und Problemen bei der Wärmeversorgung. Um die Energieversorgung aufrechtzuerhalten, werden derzeit zahlreiche Stromgeneratoren in die Ukraine geliefert.
An diesem Programm beteiligt sich auch die IHK Mittlerer Niederrhein. Unternehmen aus der Region unterstützen damit die Lieferung dringend benötigter Technik. Ziel ist es, die Versorgung von Krankenhäusern, sozialen Einrichtungen und privaten Haushalten in der Ukraine zu stabilisieren.
Vier Jahre nach Kriegsbeginn bleibt die Lage angespannt. Hilfsorganisationen appellieren deshalb an die anhaltende Solidarität, damit medizinische Hilfe und Energieversorgung weiterhin gesichert werden können.
Geflüchtete auch am Niederrhein
In Krefeld sind seit Kriegsbeginn rund 5.560 Ukrainerinnen und Ukrainer aufgenommen worden. Aktuell leben dort rund 3.840 Menschen mit ukrainischer Staatsbürgerschaft, die nach Kriegsbeginn eingereist sind.
Für Viersen meldet die Stadt 1.399 aufgenommene ukrainische Staatsangehörige. 963 wurden bei der Ausländerbehörde registriert. Derzeit sind 904 Personen mit Schutzstatus nach Paragraf 24 Aufenthaltsgesetz melderechtlich erfasst. Schwankungen entstehen unter anderem durch Zu- und Wegzüge oder veränderte Aufenthaltstitel. Da Nordrhein-Westfalen seine Aufnahmequote übererfüllt, werden einzelne Geflüchtete auch anderen Bundesländern zugewiesen.
In der Gemeinde Schwalmtal wurden seit Kriegsbeginn 447 Ukrainerinnen und Ukrainer aufgenommen, aktuell sind dort noch 62 gemeldet.
Die Gemeinde Brüggen verzeichnete 497 Aufnahmen, derzeit leben 184 Ukrainerinnen und Ukrainer dort.
In Kempen wurden rund 750 Menschen aus der Ukraine aufgenommen. Etwa 550 leben weiterhin in der Stadt.
Unterstützung und Integration vor Ort
Die erste Phase nach Kriegsbeginn war vor allem von schneller Hilfe geprägt. In Krefeld wurde unmittelbar ein Koordinierungskreis eingerichtet, in dem städtische und nicht-städtische Akteure regelmäßig die Aufnahme, Versorgung und Unterbringung abstimmten. Leistungen wie Registrierung, Antragsannahme, Unterbringung und Beratung wurden zentral organisiert, unter anderem im Umfeld des Hauptbahnhofs. Sozialarbeitende begleiteten die Menschen eng – von der Wohnraumsuche über Sprachkurse bis hin zur Integration in Schule und Arbeitsmarkt.
Auch in Viersen leben von den aktuell erfassten Personen nur 18 in städtischen Unterkünften, alle anderen in privatem Wohnraum. Dass so viele Geflüchtete direkt bei oder kurz nach der Ankunft privat unterkamen, ist vor allem der großen Hilfsbereitschaft der Bevölkerung zu verdanken.
Ähnlich ist die Lage in Schwalmtal, Brüggen und Kempen: Dort unterstützten Sozialarbeit, regionale Asylkreise und zahlreiche Ehrenamtliche. Besonders Wohnungsangebote aus der Bürgerschaft trugen maßgeblich zur Integration bei.
Breite Solidarität in der Bevölkerung
Die Kommunen beschreiben die Reaktionen der Bürgerinnen und Bürger durchweg als positiv. Vor allem zu Beginn des Krieges boten viele Menschen kurzfristig Schlafplätze oder sogar dauerhafte Unterkünfte an. Diese Solidarität war ein entscheidender Faktor für eine gelingende Integration.
Insgesamt zeigt sich vier Jahre nach Kriegsbeginn: Viele Ukrainerinnen und Ukrainer haben am Niederrhein Schutz gefunden. Auch wenn sich Zahlen durch Umzüge und Statuswechsel verändern, bleibt die Unterstützung vor Ort ein zentrales Element der Integrationsarbeit.