
Niederrhein: Kritik an neuen AU-Plänen
Hausärzte am Niederrhein kritisieren neue AU-Pläne der Bundesregierung. Vor allem das mögliche Aus der telefonischen Krankschreibung sorgt für deutliche Warnungen.
Veröffentlicht: Montag, 06.07.2026 04:11
Kritik aus Nordrhein am Niederrhein
Die geplanten Änderungen bei der Krankschreibung stoßen am Niederrhein auf deutliche Ablehnung. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband Nordrhein spricht von einer starken Belastung für Praxen und Patienten. Konkret geht es um zwei Punkte: Die telefonische Krankschreibung soll wegfallen, außerdem soll eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nach den Plänen künftig ab dem ersten Krankheitstag vorgelegt werden. Der Verband sieht darin vor allem mehr Bürokratie und zusätzliche Wege für kranke Menschen. Nach Einschätzung der Hausärzte könnte das gerade in Zeiten vieler Infekte zu noch volleren Wartezimmern führen.
Sorge um Praxen und Patienten
Aus Sicht des Verbandes würden viele Patientinnen und Patienten dann auch bei leichten Erkrankungen wieder persönlich in die Praxis kommen müssen. Das könnte die Wartezeiten verlängern und die Arztpraxen zusätzlich belasten. Besonders kritisch sieht der Verband die möglichen Folgen für chronisch kranke und schwer kranke Menschen. Sie könnten nach Einschätzung der Hausärzte stärker unter überfüllten Praxen leiden. Der Verband warnt deshalb, dass medizinisch notwendige Versorgung und organisatorische Vorgaben stärker miteinander kollidieren könnten.
Streitpunkt telefonische Krankschreibung
Besonders scharf kritisiert der Verband das geplante Aus der telefonischen Krankschreibung. Nach Angaben des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Nordrhein zeigen Studien der Krankenkassen nicht, dass die Telefon-AU zu mehr Fehltagen geführt hat. Der Verband wertet die geplanten Änderungen deshalb als Vertrauensbruch gegenüber Ärztinnen, Ärzten und Patienten. In der Mitteilung heißt es außerdem, die neuen Regeln zielten stärker auf Kontrolle als auf Entlastung im Gesundheitssystem. Die Kritik richtet sich damit nicht nur gegen die praktische Umsetzung, sondern auch gegen das Signal, das von den Plänen ausgeht.
„Das ist absurd und eine Katastrophe für Patientinnen und Patienten und die hausärztlichen Praxen.“ - Elke Cremer, Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Nordrhein.
Hintergrund zu den aktuellen Debatten
Das Thema beschäftigt die Region schon seit Monaten. Bereits Anfang März hatte Welle Niederrhein über Kritik an Plänen zur Abschaffung der telefonischen Krankschreibung berichtet. Damals warnte der Hausärzteverband Nordrhein ebenfalls vor volleren Praxen, längeren Wartezeiten und höheren Belastungen im Alltag der Arztpraxen. Jetzt bekommt die Debatte durch die neuen Regierungspläne zusätzlichen Schub. Im Mittelpunkt bleibt die Frage, wie Krankschreibungen organisiert werden sollen, ohne Praxen und Patienten unnötig zusätzlich zu belasten.