
Niederrhein: IHK fordert Hilfe für Firmen in Krisenzeiten
Die IHK Mittlerer Niederrhein fordert mehr Unterstützung für Unternehmen in Krisenzeiten. Hintergrund sind Kriege, Cyberangriffe und unsichere Lieferketten.
Veröffentlicht: Mittwoch, 08.07.2026 08:30
IHK beschließt neues Positionspapier
Die Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein fordert mehr Unterstützung für Unternehmen in Krisenzeiten. Die Vollversammlung hat dazu jetzt das Positionspapier „Sicherheit und Verteidigung - gemeinsame Verantwortung von Politik und Wirtschaft“ beschlossen. Hintergrund ist die veränderte sicherheitspolitische Lage, die sich nach Angaben der IHK immer stärker auf Betriebe in der Region auswirkt. Die Kammer will Unternehmen damit Orientierung geben und zugleich gegenüber der Politik deutlich machen, welche Rahmenbedingungen aus ihrer Sicht nötig sind. Dazu zählen vor allem mehr Resilienz, also mehr Widerstandskraft in Krisen, und verlässliche Abläufe.
Viele Betriebe spüren bereits die Folgen
Nach einer aktuellen IHK-Umfrage berichten 71 Prozent der befragten Unternehmen von mittleren bis starken Auswirkungen der aktuellen Sicherheitslage auf ihren Betrieb. Besonders häufig genannt werden gestiegene Kosten für Energie, Transport und Absicherung. Auch Lieferkettenstörungen und Unsicherheiten bei Investitionen spielen demnach eine große Rolle. Gleichzeitig haben laut IHK 59 Prozent der Unternehmen bislang keine oder kaum Vorsorgemaßnahmen getroffen. Drei Viertel der Befragten kennen die Richtlinien für die Gesamtverteidigung gar nicht oder nur dem Namen nach.
„Die Ergebnisse zeigen deutlich: Die Unternehmen haben die neue Sicherheitslage erkannt - gleichzeitig besteht erheblicher Informations- und Handlungsbedarf“ - Elmar te Neues, Präsident der IHK Mittlerer Niederrhein.
IHK fordert weniger Bürokratie und mehr Schutz
Im Positionspapier fordert die IHK unter anderem schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren für verteidigungsrelevante Infrastruktur. Außerdem spricht sie sich für eine stärkere Absicherung kritischer Infrastrukturen, mehr Cyber- und Versorgungssicherheit sowie bessere Bedingungen für sicherheitsrelevante Unternehmen aus. Auch kleine und mittlere Unternehmen sollen aus Sicht der IHK besser in Beschaffungsprozesse eingebunden werden. Hinzu kommen Forderungen nach praktikablen Regeln für Reservisteneinsätze und mehr Unterstützung bei der Krisenvorsorge. Die IHK kündigt außerdem an, selbst zusätzliche Informations- und Beratungsangebote schaffen zu wollen.
„Unsere Unternehmen sind heute längst nicht mehr nur Beobachter geopolitischer Entwicklungen - sie bekommen die sicherheitspolitische Realität inzwischen deutlich zu spüren“ - Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein.