
Missbrauch: Sonderkommission vergrößert
Im Fall des massenhaften sexuellen Missbrauchs von Kindern, unter anderem in Krefeld und Viersen, hat die Polizei noch einmal die Zahl der Ermittler aufgestockt. Mehr als 200 Beamte arbeiten nun daran, die betroffenen Kinder zu identifizieren und die Täter aus deren Umfeld zu holen.
Veröffentlicht: Freitag, 08.11.2019 10:30
Die NRW-Opferschutzbeauftragte Auchter-Mainz sagte, dass den Kindern in ihren Familien sowie in Einrichtungen, in denen sie betreut werden, geholfen wird. Währenddessen berichten Medien von einer möglichen Panne bei den Behörden. Die Polizei hatte einen der sechs - in diesem Fall bisher festgenommenen Täter - offenbar schon im Juni im Visier. Die Klever Staatsanwaltschaft veranlasste aber keine Hausdurchsuchung. Die Verhaftung des Mannes aus dem Kreis Wesel war dann erst vor einer Woche nach der Durchsuchung beim Hauptverdächtigen in Bergisch Gladbach veranlasst worden.
Verdächtige sollen Kinder ausgetauscht haben
Der neue Missbrauchsfall von NRW nimmt immer dramatischere Ausmaße an. Einige der mutmaßlichen Täter sollen die Kinder untereinander getauscht haben, um sie zu missbrauchen. Das gehe aus Aussagen eines Verdächtigen aus Krefeld hervor, berichten mehrere Medien.
Der 38-jährige Krefelder soll sich nicht nur an seiner eigenen Tochter, sondern auch an der Nichte eines Komplizen aus Viersen vergangen haben. In der Nacht zu Mittwoch hatten die Ermittler den Viersener bei Verwandten in Aachen festgenommen. Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl gegen den Mann aus Viersen beantragt. Der Verdächtige aus Krefeld sitzt bereits in Untersuchungshaft. NRW-Innenminister Reul hat inzwischen die Ermittlungsgruppe von 130 auf mehr als 200 Beamte aufgestockt. Es gibt bisher sechs Tatverdächtige. Außerdem wurden mittlerweile neun Opfer ermittelt.
Hinweise auf mögliche Ermittlungspanne
Bei den Ermittlungen zum neuen Missbrauchsfall in NRW haben die Behörden offenbar Fehler gemacht. Die Rheinische Post berichtet, die Polizei habe der Staatsanwaltschaft Kleve schon im Juni Akten über einen mutmaßlichen Täter im Kreis Wesel gegeben. Damals sei aber keine Hausdurchsuchung angeordnet worden, heißt es.
Bei dem Verdächtigen soll es sich den Angaben zufolge um einen Soldaten handeln. Der Mann war erst Ende Oktober festgenommen worden, nachdem er im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Kinderpornofall von Bergisch Gladbach ins Visier der Kölner Staatsanwaltschaft geraten war. Jetzt steht die Frage im Raum, ob der Täterring früher hätte enttarnt werden können. Die Staatsanwaltschaft Kleve wollte sich nicht zu den Vorwürfen äußern.
Bisher gibt es sechs Verdächtige, die ihre eigenen Kinder bzw Stiefkinder schwer sexuell missbraucht haben sollen. Darunter sind auch ein Krefelder und ein Viersener.