
Krefeld stellt kommunale Wärmeplanung vor
Krefeld hat seine kommunale Wärmeplanung abgeschlossen. Der Plan setzt auf Fernwärme, Wärmepumpen und mehr Orientierung für Eigentümer.
Veröffentlicht: Mittwoch, 22.04.2026 10:30
Krefeld stellt Wärmeplanung vor
Der Plan soll dazu beitragen, die Wärmeversorgung in der Stadt langfristig klimafreundlich, sicher und bezahlbar aufzustellen. Er wird am Mittwoch (22. April) zum ersten Mal im Klimaausschuss vorgestellt. Eine weitere Beratung ist Anfang Juni im Stadtrat geplant. Krefeld erfüllt damit eine gesetzliche Vorgabe, nach der die Wärmeplanung bis Ende Juni 2026 vorliegen muss.
Erarbeitet wurde die Planung nach Angaben der Stadt gemeinsam mit der SWK AG, der SWK Energie und der NGN. Ziel ist es, aufzuzeigen, welche Form der Wärmeversorgung in welchen Teilen des Stadtgebiets künftig sinnvoll sein kann. Dabei geht es vor allem darum, die Abhängigkeit von Gas und Öl zu verringern. Die Stadt versteht die Wärmeplanung als Orientierung für Eigentümer. Eine Verpflichtung, die eigene Heizung umzubauen oder sich an ein Wärmenetz anzuschließen, entsteht dadurch aber nicht.
Fernwärme und Wärmepumpen im Fokus
Ein Schwerpunkt der Planung ist der Ausbau der Fernwärme in geeigneten Gebieten. Dort soll das Netz nach Angaben der Stadt ausgebaut oder verdichtet werden, wenn die Voraussetzungen dafür wirtschaftlich sinnvoll sind. Gleichzeitig betont die Stadt, dass es keinen Anschlusszwang geben wird. Die Entscheidung für eine bestimmte Heizlösung bleibt weiterhin bei den Hauseigentümern. Auch der Netzbetreiber baut laut Stadt nur dort aus, wo genügend Nachfrage besteht.
Dort, wo Fernwärme nicht die passende Lösung ist, setzt die Planung auf dezentrale Alternativen. Dazu zählen vor allem Wärmepumpen. In einzelnen Fällen können auch andere Systeme sinnvoll sein, etwa Biomasseanlagen wie Pellet- oder Hackschnitzelheizungen. Außerdem nennt die Stadt solarthermische Anlagen als mögliche Ergänzung. Welche Lösung im eigenen Viertel perspektivisch geeignet ist, soll später über eine interaktive Karte im Geoportal der Stadt sichtbar werden.
Viele Gebäude in Krefeld sind sanierungsbedürftig
Grundlage der Wärmeplanung ist eine Bestandsanalyse für das gesamte Stadtgebiet. Sie zeigt, dass Krefeld über einen vergleichsweise alten Gebäudebestand verfügt. Vor allem im Stadtzentrum und bei privaten Gebäuden gibt es laut Stadt einen hohen Sanierungsbedarf. Gleichzeitig wird in Krefeld aktuell noch fast ausschließlich mit fossilen Energieträgern geheizt. Gas und Öl spielen dabei die größte Rolle.
Nach Angaben der Stadt liegt der Anteil der Heizungsanlagen mit Erdgas, Flüssiggas oder Heizöl bei rund 64 Prozent aller Feuerungsanlagen. Diese Energieträger verursachen im Wärmesektor mehr als 90 Prozent der Treibhausgasemissionen. Weil viele dieser Anlagen bereits älter sind, geht die Planung davon aus, dass in den nächsten zehn Jahren in vielen Gebäuden ein Austausch ansteht. Die Stadt sieht deshalb ein großes Potenzial für eine Umstellung auf klimafreundlichere Technik. Auch beim Einsparen von Wärme gibt es laut Analyse erhebliche Möglichkeiten.
Karte soll Eigentümern Orientierung geben
Nach einem politischen Beschluss will die Stadt die Ergebnisse auch für Bürgerinnen und Bürger besser sichtbar machen. Geplant ist eine interaktive Karte, die zeigt, welche Wärmeversorgung in welchem Gebiet perspektivisch möglich ist. Ergänzend wollen SWK und NGN über einen Wärmefinder darstellen, wo Fernwärmeleitungen bereits vorhanden sind und wo ein Ausbau denkbar wäre. In anderen Gebieten sollen dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen im Vordergrund stehen. Ziel ist es, Eigentümern mehr Planungssicherheit für Sanierungen und Heizungswechsel zu geben.
Die Stadt weist zugleich darauf hin, dass die Karten erst mit einem finalen politischen Beschluss Gültigkeit bekommen. Bis dahin handelt es sich um die Grundlage für die weitere Beratung. Bürgerinnen und Bürger können den Abschlussbericht bereits auf der Internetseite der Stadt Krefeld einsehen. Wenn gewünscht, können bis zum 27. April auch Stellungnahmen an die Stadt geschickt werden. Nach dem Beschluss soll außerdem das Beratungs- und Informationsangebot rund um die Wärmewende ausgebaut werden.
Nächste Beratungen in Krefeld
Der Abschlussbericht wird Mittwoch zunächst im Klimaausschuss vorgestellt. Die nächste Beratung im Stadtrat ist für den 3. Juni vorgesehen. Danach sollen die weiteren Schritte folgen. Dazu gehören laut Stadt unter anderem mehr Informationen und Beratung für die Menschen in Krefeld sowie weitere Planungen zum Ausbau und zur Umstellung der Fernwärme. Zusätzlich sind einzelne Fokusgebiete vorgesehen, in denen erste praktische Erfahrungen gesammelt werden sollen.
Die Wärmeplanung selbst ist laut Stadt kein direktes Verbot und auch keine Pflicht zum Umstieg. Sie soll vor allem eine strategische Richtung vorgeben. Welche Heizlösung am Ende in einem Haus gewählt wird, bleibt weiterhin eine Entscheidung der Eigentümer. Die Stadt will mit dem Plan vor allem zeigen, welche Möglichkeiten vor Ort als besonders sinnvoll, klimafreundlich und in der Regel auch kosteneffizient gelten.