
Konjunktur am Niederrhein bleibt schwach
Fast jedes dritte Unternehmen im Rheinland und am Niederrhein ist unzufrieden. Der Konjunkturindex bleibt unter der Wachstumsschwelle – Investitionen und Jobs leiden.
Veröffentlicht: Montag, 02.03.2026 12:51
Die Wirtschaft im Rheinland kommt weiter nicht in Schwung. Das zeigt das aktuelle Konjunkturbarometer der Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein zum Jahresbeginn 2026. Rund 2.200 Unternehmen wurden befragt – 29,1 Prozent sind unzufrieden mit ihrer aktuellen Lage, nur 22,2 Prozent bewerten sie positiv. Auch die Erwartungen für die kommenden Monate bleiben überwiegend negativ.
IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz warnt: Der dringend benötigte Aufschwung lasse weiter auf sich warten. Zudem sei die Umfrage noch vor der jüngsten Eskalation im Nahen Osten erfolgt. Steigende Benzinpreise könnten das ohnehin prognostizierte Mini-Wachstum zusätzlich gefährden.
Konjunkturklima unter Wachstumsschwelle
Der Konjunkturklimaindex liegt bei 94,5 Punkten und damit zum achten Mal in Folge unter der wichtigen Marke von 100 Punkten, die für Wachstum steht. Zwar ist es der höchste Wert seit drei Jahren, vom langjährigen Durchschnitt von 105,8 Punkten bleibt er jedoch deutlich entfernt.
Der Geschäftslageindikator verharrt bei minus 6,9 Punkten. 23,7 Prozent der Betriebe rechnen mit schlechteren Geschäften, nur 19,7 Prozent mit einer Verbesserung. Auch das Auslandsgeschäft liefert keine Impulse: 26,4 Prozent erwarten sinkende Exportnachfrage, 18,8 Prozent steigende.
Besonders kritisch ist die Auftragslage. Der Indikator liegt bei minus 15,1 Punkten. Mehr als ein Drittel der Unternehmen meldet rückläufige Auftragseingänge. Die Kapazitätsauslastung der Industrie beträgt nur 72,1 Prozent – der niedrigste Wert seit der Finanzkrise 2009.
Industrie und Logistik stark unter Druck
In zentralen Branchen wie Chemie, Kunststoff, Metall und Maschinenbau überwiegen weiterhin die negativen Rückmeldungen. Ein Hoffnungsschimmer ist die Metallindustrie, die mehrheitlich mit besseren Geschäften rechnet. Die Ernährungsindustrie zeigt sich als stabilste Branche mit positiven Lage- und Erwartungswerten.
Die Logistikbranche meldet hingegen die schlechteste Lage unter den Dienstleistern. Marode Rheinbrücken – etwa die Sperrung der Uerdinger Rheinbrücke für den Schwerlastverkehr – gelten als klarer Wettbewerbsnachteil für die Region.
Als größte Risiken nennen die Betriebe die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (62 Prozent), die schwache Binnennachfrage (59 Prozent), steigende Arbeitskosten durch Mindestlohn und Sozialabgaben (54 Prozent) sowie hohe Energie- und Rohstoffpreise (48 Prozent).
Die Investitionsbereitschaft bleibt gering: 29,6 Prozent wollen künftig weniger investieren, nur 21,7 Prozent mehr. Auch bei der Beschäftigung überwiegen die negativen Signale. Die IHK fordert deshalb weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungen und verlässliche Entscheidungen in der Energie-, Steuer- und Arbeitsmarktpolitik, um den Standort Deutschland wieder wettbewerbsfähiger zu machen.