
Inkontinenz: AKH Viersen setzt auf gezielte Hilfe
Das AKH Viersen hat sich erstmals an der Weltkontinenzwoche beteiligt. Im Mittelpunkt standen Informationen und Therapien bei Inkontinenz.
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AKH Viersen beteiligt sich an Weltkontinenzwoche
Das Allgemeine Krankenhaus Viersen hat sich in diesem Jahr erstmals an der Weltkontinenzwoche beteiligt. Die Aktionswoche der Deutschen Kontinenzgesellschaft lief vom 15. bis 21. Juni 2026. Das AKH bot dazu nach eigenen Angaben gleich zwei Veranstaltungen an. Im Mittelpunkt standen Informationen zu Inkontinenz und mögliche Behandlungen. Ziel war es, Betroffene über Ursachen, Beschwerden und passende Therapien zu informieren.
Nach Angaben des Krankenhauses richtete sich ein Angebot gezielt an jüngere Betroffene, vor allem an Schwangere. Viele Menschen wüssten nicht, dass auch in dieser Lebensphase ungewollter Harnverlust auftreten kann. In einem Abendprogramm wurden deshalb Therapieformen vorgestellt, die durch diese meist begrenzte Zeit helfen sollen. Anschließend konnten die Teilnehmerinnen die vorgeschlagenen Beckenbodenübungen direkt ausprobieren.
Beckenbodentraining für Schwangere in Viersen
Entwickelt wurde das Angebot von der leitenden Oberärztin der Gynäkologie, Dr. Asuncion Martin Delgado, gemeinsam mit Hebamme Monika Bauten sowie den Physiotherapeuten Sandra de Oliveira und Uli Holtermann. Nach einem Kurzvortrag zu Therapieformen wurden die Teilnehmerinnen in zwei Gruppen aufgeteilt. Dabei gab es unterschiedliche Tipps aus Sicht der Hebamme und aus Sicht der Physiotherapie. So sollten gezielte Übungen für den Beckenboden praktisch vermittelt werden.
„Ich habe während der Übungen direkt etwas gemerkt“ - Tamara Theissen.
Nach Angaben des AKH sollte das Angebot vor allem zeigen, dass es schon bei leichter Inkontinenz konkrete Unterstützung geben kann. Die Übungen können helfen, Beschwerden zu lindern oder eine Verschlechterung nach der Geburt zu verhindern. Weitere Zahlen zur Teilnehmerzahl nennt das Krankenhaus nicht.
Fachärzte erklären Therapie bei Inkontinenz
In einer zweiten Veranstaltung unter dem Titel „Was tun bei Inkontinenz“ informierten Fachleute aus den Kliniken für Gynäkologie, Urologie und Viszeralchirurgie über Beschwerden und Behandlungsmöglichkeiten. Nach Angaben des AKH arbeiten die Fachbereiche dabei eng zusammen. Ein Schwerpunkt lag auf der Aussage, dass nicht immer sofort operiert werden müsse. Zunächst gehe es meist um konservative Behandlungsmethoden, also um Therapien ohne Operation.
Der Proktologe Johannes Libam, Oberarzt in der Viszeral- und Allgemeinchirurgie, stellte Ursachen, Diagnostik und Therapien bei Stuhlinkontinenz vor. Genannt wurden unter anderem angepasste Ernährung, Beckenbodentraining und die sogenannte Biofeedback-Methode. Dabei lernen Patienten, den Schließmuskel gezielt anzuspannen. Operative Eingriffe sollen laut AKH bei Stuhlinkontinenz möglichst lange hinausgezögert werden.
Ursachen und Behandlung bei Harninkontinenz
Über Harninkontinenz beim Mann sprach Dr. Knut Franke, Chefarzt der Urologie. Nach seinen Angaben gibt es dafür verschiedene Risikofaktoren, darunter Alter, Gewicht, neurologische Erkrankungen, Depressionen und Diabetes. Grundlage für die Behandlung sei eine genaue Diagnostik. Dazu gehören laut AKH eine ausführliche Anamnese, ein Miktionstagebuch und spezielle Messungen zu Harnfluss und Harnblasendruck. Ziel sei es, die Ursachen der Beschwerden möglichst genau zu erfassen.
Eine vergrößerte Prostata zählt nach Angaben des AKH zu den Hauptursachen für Harninkontinenz beim Mann. Das Krankenhaus teilt mit, dass eine Prostataausschabung dort durch eine moderne Wasserdampftherapie ersetzt werde. Diese sei effektiver, schmerzärmer und nachhaltiger. Auch in der Gynäkologie sei eine genaue Diagnostik entscheidend. Dort könne laut Dr. Asuncion Martin Delgado eine Kombination aus Östrogensalbe, Beckenbodentraining und einem Würfelpessar helfen.
Viele Menschen sind betroffen
Nach Angaben des AKH sind bundesweit rund zehn Millionen Menschen von Inkontinenz betroffen. Für viele habe das Folgen im Alltag und für das persönliche Wohlbefinden. Das Krankenhaus verweist deshalb auf die Bedeutung einer passgenauen Therapie. Ziel aller Behandlungen sei es, die Ursachen der Inkontinenz zu beseitigen und die Lebensqualität der Betroffenen wieder zu verbessern. Das gelte fachübergreifend für Gynäkologie, Urologie und Viszeralchirurgie.
Das Allgemeine Krankenhaus Viersen verfügt nach eigenen Angaben über 298 Betten. Jährlich werden dort rund 15.000 Patienten stationär und knapp 30.000 ambulant behandelt. Mit zwölf Fachabteilungen und mehr als 1.000 Mitarbeitenden zählt das AKH zu den größeren Arbeitgebern in Viersen.