
Für toten Freund: Emotionaler Olympiasieg des Norwegers Botn
Veröffentlicht: Dienstag, 10.02.2026 15:06
Biathlon bei Olympia
Antholz (dpa) - Schon vor der Ziellinie dachte der neue Olympiasieger Johan-Olav Botn an seinen toten Freund. Der norwegische Biathlet reckte dann einen Finger in den Himmel und schaute nach oben - als wolle er einen Gruß an Sivert Guttorm Bakken senden. Botn hatte seinen Kumpel einen Tag vor Heiligabend in einem Trainingslager tot in dessen Hotelzimmer gefunden. Nun krönte Botn in Antholz mit Gold im Einzel seine Karriere und wurde nach seinem fehlerfreien Coup am größten sportlichen Tag seiner Karriere emotional.
Botn: Hoffe, er schaut von oben zu
«Ich habe auf der letzten Runde kaum an mich selbst gedacht, meine Gedanken und Gefühle für Sivert kamen direkt nach dem letzten Schießen», sagte Botn im ZDF. «Wir haben im letzten Jahr fast jeden Tag zusammen trainiert, für uns beide war es ein großer Traum, hier Olympiasieger zu werden. Ich hatte das Gefühl, dass ich die letzte Runde mit ihm gelaufen bin und ich hoffe, er schaut von oben zu und ist stolz auf mich.»
Teamkollege Sturla Holm Laegreid, der hinter dem Franzosen Eric Perrot Bronze gewann, brach wenig später im Ziel in Tränen aus. Auch auf dem Podest bei der norwegischen Hymne kämpften er und Botn mit ihren großen Emotionen. Als bester Deutscher verpasste Philipp Nawrath als Fünfter eine Medaille knapp.
Botn findet seinen Freund tot auf
Botn hatte den Saisonauftakt dominiert und lange das Gelbe Trikot des Gesamtführenden getragen, ehe ein Tag alles veränderte und er im italienischen Lavazé völlig überraschend seinen Kollegen leblos auffand. Die genauen Umstände vom Tod Bakkens sind immer noch ungeklärt, Ergebnisse einer Obduktion sollen erst im März veröffentlicht werden. Es folgte eine unfassbare psychische Ausnahmesituation, die Botn und Co. schwer belastete. Geschlossen kam das Team auch zu Bakkens Beerdigung nach Lillehammer.
Botn musste zudem wegen einer Krankheit länger pausieren. Erst zur Olympia-Generalprobe in Nove Mesto kam er wieder zurück in den Weltcup. Alle diese Dinge konnte er nun an einem perfekten Tag in Südtirol und seinem ersten Rennen auf der ganz großen Biathlon-Bühne überhaupt ausblenden. «Ich weiß nicht, wie ich das gemacht habe. Ich habe das Gefühl gefunden, wie ich es vor Weinachten gemacht habe», sagte Botn: «Ich war im Flow, ich habe seit Weihnachten kaum trainiert und meine Form war nicht besonders gut, ich musste es am Schießstand machen.»
Nawrath kostet Leichtsinnsfehler die Medaille
Zwei Tage nach Bronze in der Mixed-Staffel mischte auch Philipp Nawrath im Kampf um die Medaillen mit. Aber ein «Leichtsinnsfehler», wie er sagte, kostete ihn Bronze. «Ohne diesen hätte es gereicht, aber ich bin dennoch sehr zufrieden», sagte der 32-Jährige, der den letzten Schuss beim ersten Liegendschießen knapp daneben setzte. Nawrath, der als Motivation vor dem Rennen noch mal seine Mixed-Medaille in die Hand nahm, kann auf dieser starken Leistung aufbauen. «Das gibt Selbstvertrauen und Zuversicht», sagte er.
Solide Rennen von Debütanten - Horn enttäuscht
Eine solide Olympia-Premiere lieferten David Zobel (29) und Lucas Fratzscher (31) ab. Die beiden schossen nur zweimal daneben, Zobel wurde 21. und Fratzscher, der sich im Trainerentscheid gegen Danilo Riethmüller das Olympia-Ticket geholt hatte, beendete das Rennen auf Rang 23.
Eine große Enttäuschung musste indes Philipp Horn hinnehmen. Auf seinen Lieblingsstrecken kassierte der 31-jährige Thüringer gleich sechs Strafminuten und landete abgeschlagen auf Rang 40.
Deutsches Warten auf eine Einzelmedaille
Im längsten aller Biathlon-Rennen wartet der Deutsche Skiverband bei den Männern somit weiter seit zwölf Jahren auf eine Medaille. 2014 hatte Erik Lesser im russischen Sotschi Silber gewonnen, den bislang letzten deutschen Olympiasieg feierte Michael Greis bei den Winterspielen von Turin 2006.
Bei den Frauen triumphierte Denise Herrmann-Wick vor vier Jahren in Peking. Am Mittwoch (14.15 Uhr/ARD und Eurosport) treten für Deutschland über 15 Kilometer Franziska Preuß, Vanessa Voigt, Janina Hettich-Walz und Selina Grotian an.

