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Forschungsbohrung Kempen bestätigt Wärmespeicher-Potenzial
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Forschungsbohrung Kempen bestätigt Wärmespeicher-Potenzial

Die Forschungsbohrung in Kempen ist erfolgreich abgeschlossen: Der Untergrund eignet sich für eine saisonale Wärmespeicherung.

Veröffentlicht: Donnerstag, 20.11.2025 12:02

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Die Forschungsbohrung des Geologischen Dienstes NRW (GD NRW) in Kempen ist erfolgreich abgeschlossen. Nach rund acht Wochen Untersuchungszeit steht fest: Der Untergrund eignet sich grundsätzlich für eine saisonale Wärmespeicherung. Wärme aus Solarenergie, Abwärme oder Prozesswärme könnte künftig im Sommer im Boden zwischengespeichert und im Winter als klimafreundliche Heizenergie genutzt werden.

An der Otto-Schott-Straße bohrte das Team bis in 150 Meter Tiefe. Besonders im Fokus standen die bis zu 28 Millionen Jahre alten Meeressande der Grafenberg-Formation. Diese wasserführenden Schichten kommen im gesamten Niederrhein vor und können – wenn die Bedingungen stimmen – als natürliche Speicher dienen.

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Wie es jetzt weitergehen soll, wurde zunächst nicht bekannt. Das Bohrloch werde derzeit von den Stadtwerken Kempen als Grundwassermessstelle genutzt, sagte eine Sprecherin des Geologischen Dienstes. Die Stadtwerke hatten die Bohrung bei Untersuchungsbeginn ausdrücklich begrüßt. Die Ergebnisse seien nicht nur für die Region von Bedeutung, sondern auch für die Stadtwerke. «Sie können wertvolle Hinweise für eine zukunftsfähige, nachhaltige Wärmeversorgung liefern», hatte Geschäftsführer Daniel Banzhaf gesagt.

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Schichten zwischen 80 und 100 Metern besonders geeignet

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Das Bohrteam stieß bereits ab etwa 30 Metern auf die ersten Feinsande der Grafenberg-Formation. Zwischen 80 und 100 Metern zeigte sich dann der entscheidende Bereich: gröbere, kaum schluffig-tonige Sande mit vielen Muschelschalenresten und hoher Wasserführung. Diese Strukturen bieten den benötigten Porenraum, um Wärme im Untergrund zu speichern.

Gleichzeitig wirkt die darüberliegende, schluffreiche Sandschicht wie ein natürlicher Deckel – sie verhindert, dass gespeicherte Wärme nach oben entweicht. Da das Wasser in der Formation nahezu unbewegt bleibt, kann die Wärme im Winter über den gleichen Brunnen wieder abgepumpt werden.

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Geothermische Nutzung mit Vorbildcharakter

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Messungen und Pumpversuche im Bohrloch bestätigen die Wasserergiebigkeit der Schicht. Die Ergebnisse lassen sich laut GD NRW auch auf weitere Standorte am Niederrhein übertragen, sofern dort ebenfalls muschelreiche und grobkörnige Sande der Grafenberg-Formation vorkommen. Für jedes Projekt seien jedoch eigene Untersuchungen notwendig – abhängig von Bedarf und Nutzung, etwa einem Nahwärmenetz oder einem Gartenbaubetrieb.

Aquifer-Wärmespeicher sind in NRW bislang selten, in Ländern wie den Niederlanden dagegen weit verbreitet. Auch in Deutschland gibt es bereits Vorzeigeprojekte – etwa im Berliner Regierungsviertel, wo ein Wärmespeicher das Reichstagsgebäude versorgt.

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