
Ende einer Ära: Der Schluff wird zum Stand-Denkmal
Nach dem angekündigten Aus für die historische Dampflok Schluff in Krefeld formiert sich Widerstand. Bürger fordern per Petition den Erhalt.
Veröffentlicht: Freitag, 08.05.2026 16:15
Bürgerprotest und Petition gegen das Abstellgleis
In den sozialen Netzwerken von Welle Niederrhein löste die Nachricht eine Welle der Enttäuschung aus, wobei viele Hörer ihre Kindheitserinnerungen mit der Bahn teilen. Kritiker werfen der SWK und der Stadt vor, ein wichtiges Stück Krefelder Identität leichtfertig aufzugeben. Um den Fahrbetrieb doch noch zu retten, wurde bereits eine Online-Petition gestartet, die sich an den Stadtrat und die SWK-Leitung richtet. Die Initiatoren fordern volle Transparenz über die Sanierungskosten von rund 2,5 Millionen Euro und suchen nach alternativen Finanzierungswegen. Ziel ist es, den Schluff als lebendiges Denkmal auf den Schienen zu halten, statt ihn nur noch im Lokschuppen auszustellen.
Millionenkosten stoppen die historische Dampflok
Die Entscheidung, den Fahrbetrieb des Schluff einzustellen, ist das Ergebnis einer massiven finanziellen Schieflage. Laut SWK Mobil verursacht der laufende Betrieb jährlich ein Defizit von rund 600.000 Euro, das weder durch Ticketverkäufe noch durch Vereinsbeiträge gedeckt werden kann. Besonders schwer wiegen jedoch die anstehenden Investitionen in die Schieneninfrastruktur: Für die Jahre 2026 und 2027 wurde ein Sanierungsbedarf von 2,5 Millionen Euro festgestellt. Da bereits die letzte große Untersuchung der Lokomotive vor vier Jahren nur über ein hohes Darlehen finanziert werden konnte, sieht das Unternehmen keine wirtschaftliche Basis mehr für die Zukunft. Die kommende Hauptuntersuchung im Jahr 2030 würde zudem erneut Kosten von über einer Million Euro verursachen.
In einem Welle-Niederrhein Interview hat sich SWK-Vorstand Carsten Liedtke nochmal genauer zu den Gründen und der Situation geäußert:
Interview mit SWK-Geschäftsführer Carsten Liedtke
Warum trägt sich der Schluff finanziell nicht mehr?
Viele kritisieren, dass die SWK Gewinne in Millionenhöhe erzielen? Wieso kann der Schluff nicht daraus finanziert werden?
Wir haben die Rückmeldung vom Verkehrsclub Deutschland, sowie dem Verein "Freunde der Eisenbahn" bekommen, dass sie sich gewünscht hätten früher mit einbezogen zu werden, um so Lösungen zu finden, die die Kosten decken könnten. Was sagen Sie dazu?
Was wurde von Seiten der SWK versucht, um den Betrieb des Schluff aufrecht zu erhalten?
Es gab ebenso einen Kommentar, dass das Geld, was die SWK erwitschaftet von Krefeldern ist und für Krefelder genutzt werden sollte. Was sagen Sie dazu?
Würden sich Sponsoren finden lassen, die die Reparatur der Bahnschienen finanziell unterstützen, wären Sie bereit für Gespräche?
Gibt es etwas, was Sie noch hinzufügen möchten?
Der Schluff wird zum stehenden Denkmal in Krefeld
Trotz des Endes der regelmäßigen Fahrten soll die „Graf Bismarck“ der Stadt Krefeld als wichtiges Stück Identität erhalten bleiben. Die Lokomotive wird künftig als „stehendes Denkmal“ im Lokschuppen an der St. Töniser Straße untergebracht. Dort soll das historische Fahrzeug auch weiterhin für interessierte Besucher und Technikfans zugänglich bleiben, damit die Geschichte der Eisenbahn in der Seidenstadt erlebbar bleibt. Der Verein „Schluff und historische Verkehrsmittel e.V.“, dem die Lok gehört, wird im September über die genaue Ausgestaltung dieses neuen Konzepts beraten. Bis zu den abschließenden Nikolaus-Sonderfahrten im Dezember dieses Jahres bleibt der Schluff jedoch wie gewohnt auf den Schienen im Einsatz.
Große Trauer und Reaktionen aus der Stadtgesellschaft
In Krefeld herrscht nach der Bekanntgabe des Aus für die rollende Dampflok große Bestürzung. Über Jahre hinweg hatten ehrenamtliche Helfer, Spender und lokale Unternehmen wie das Autohaus Borgmann oder die Sparkasse Krefeld versucht, den Betrieb durch Benefiz-Aktionen und Patenschaften zu sichern. Auch kreative Ideen wie der Verkauf von Schienenmetern oder die Digitalisierung des Ticketings konnten die enormen Kostensteigerungen und den Mangel an seltenen Ersatzteilen letztlich nicht ausgleichen. Die Nachricht trifft vor allem die Menschen in Hüls und im Krefelder Westen hart, wo der Zug seit Jahrzehnten fest zum Stadtbild gehört. Für viele Bürger geht mit dem Ende der Ära ein Stück persönlicher Heimatgeschichte verloren.
„Der Schluff ist ein besonderes Kulturgut unserer Stadt, das viele Menschen mit persönlichen Erinnerungen verbinden. Dass er nun nicht mehr fahren wird, ist ein echter Verlust für Krefeld.“ - Julia Müller, Sprecherin der Grünen-Fraktion
Krefelder Politik bedauert das Schluff-Aus
Nachdem die Entscheidung der SWK Mobil öffentlich gemacht wurde, den Fahrbetrieb der historischen Dampflok „Graf Bismarck“ nach dieser Saison einzustellen, gab es auch Reaktionen aus dem Rathaus. Oberbürgermeister Frank Meyer betonte, dass er diesen Schritt sehr bedauere, da der Schluff für viele Krefelder eine Herzensangelegenheit sei. Dennoch ließen die wirtschaftlichen Zwänge offenbar keine andere Wahl für das Verkehrsunternehmen. Die hohen Kosten für den laufenden Betrieb und anstehende Sanierungen machen eine Fortführung laut SWK derzeit jedoch unmöglich.
Neue Chancen für die historische Bahntrasse
Trotz des geplanten Endes der Dampf-Ära gibt es Vorschläge, wie die Schienenwege in Zukunft sinnvoll genutzt werden könnten. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) schlägt vor, die Strecke weiterhin für touristische Fahrten mit anderen historischen Fahrzeugen zu nutzen. Auch eine stärkere Einbindung in den Güterverkehr für lokale Unternehmen oder eine Reaktivierung für den Personenverkehr zwischen Hüls und dem Hauptbahnhof stehen im Raum. So könnte die Infrastruktur erhalten bleiben, auch wenn die „Graf Bismarck“ selbst künftig nur noch als stehendes Denkmal besichtigt werden kann. Bis zum Ende der Nikolausfahrten im Dezember bleibt der Schluff den Krefeldern aber erst einmal noch auf der Schiene erhalten.